Susanne Meier-Faust, 2018

GEDOK Werkpreis 2, Ausstellung der Finalistinnen

 

Alexandra Centmayer hat eine neue eigene Bildwelt geschaffen - angelehnt an Formen von Kristallen und Prismen. Ausgehend von zwei plastischen Objekten aus für Offsetdruck gebrauchten Aluminiumplatten baute die Künstlerin aus geschnittenen und bemalten Dreiecken eine prismatische Flächenform. Aus dieser farbigen Wandarbeit, einem - wörtlich genommen - Flachrelief, genannt „Flat Crystal", entwickelten sich verschiedene Malereiformate auf glänzenden monochromen Flächen, zum Beispiel in kleinen Formaten auf weißem Fotopapier. Schließlich probierte Alexandra Centmayer die vorhandenen Aluminiumplatten als Malgrund für ihre Motive der Prismen und Kristalle aus. 

In mehreren Serien entstanden weitere Bildobjekte, von denen wir vier Beispiele hier vor uns haben. 

 

Auch eines der beiden anfangs gestalteten Aluminiumobjekte von 2016 sehen wir als plastische Bodenarbeit in dieser Ausstellung. Sie hat den Titel "Sitting Crystal“: Zeltartig-architektural - etwas an modernistische Kirchenbauten erinnernd - steht das Licht reflektierende Objekt vielflächig im Raum, ohne sich auf eine Ansichtsseite festzulegen.

 

Ein konkreter Stein des Anstoßes war die neue UB mit ihrer gläsernen prismatischen Erscheinung - gebrochen in 15 Fassaden. Alexandra Centmayer deutet diese vielteilige Form in ihre eigenen Formfindungen mit Brechungen und Faltungen um - mit verschiedenen möglichen Assoziationen an Zelte oder kristalline Konstruktionen. Ihr geht es nicht um das Naturphänomen, sondern um assoziativ Gesehenes in Anlehnung an die Erscheinungsformen von Kristallen.

 

Im Monate lang andauernden Malprozess - wegen der erforderlichen Trocknung der Ölfarben - machte die Künstlerin immer wieder Entdeckungen, die sie zu einer weiteren Variante führten. Sie sprach davon, dass sie diesen Arbeitsprozess wie einen Dialog zwischen dem Werk und sich selbst als Malerin empfunden habe. 

 

Der serielle Charakter der Arbeiten bedeutet ein Ausschöpfen vieler Gestaltungsvarianten - in der Form wie in der Farbe, in der Malweise wie in der jeweils angelegten Konstruktion. Die Besonderheit wurde das Trägermaterial, auf das sie in ihrem Umfeld stieß. 

 

In ihrem Farbkonzept dominiert eine Palette von Blautönen, der Farbauftrag verfügt jedoch frei über verschiedene Farben, so dass eine diskret-delikate Farbigkeit entsteht.

 

Die spitz zulaufende Kristallform - wie ein Diamant – setzt mit intensiven Farbgebungen und vor allem mit Blaumischungen den Beginn der aktuellen Serie. Das Motiv zeigt eine dem Hängeobjekt verwandte Form - wie ein Lot mit spitzem Ende. Aus der mittleren Trennlinie in der Waagerechten erwächst die gegenläufige Brechung, von wo aus kürzere Dreiecks- und Trapezformen nach oben hin zusammengeführt werden und einen zeltartigen oberen Teil bilden - die farbentragenden Dreiecke erinnern mich in dieser Form an Grafik von Sol LeWitt (z. B. Pyramids, 1985, Mischtechnik auf Papier, 27 x 76,5 cm). (Ich sehe auch einegewisse Verwandtschaft zu Bernd Wehner, dessen stelenartige Skulpturen gebrochene Konstruktionen mit Trapez- bis Dreiecksformen aufweisen oder dessen Reliefs aus mehrteiligen, dreieckigen Elementen gebildet sind.)

Konstruktion und Geometrie haben ihren gestaltenden Anteil durch die Linien als Kanten, Ecken und Spitzen. In den Flächen treiben ausgesucht sensible Farbsetzungen ihr Spiel der Variationen, auch von hell und dunkel.

 

Die Arbeit rechts wirkt als Form deutlich schwerer und mit mehr Volumen konzipiert. Entsprechend ist auch die Setzung der Farben anders gewichtet, der Anteil dunklerer Farbmischungen verstärkt das Bild einer voluminöseren Konstruktion. 

 

Das sehr helle Objekt in der Arbeit zwischen den Fenstern zeigt dagegen eine große Leichtigkeit im Zusammenklang von Gestalt und Farbigkeit. In der strahlenden Vormittagssonne wirkt das Bild wie von innen illuminiert.

 

In den einzelnen Ausführungen lassen sich unterschiedliche Oberflächen wahrnehmen: In den hier ausgestellten Arbeiten sind Farbflächen mit breitem Pinsel nochmals übergangen, so dass leichte Unschärfen in den einzelnen Farbelementen entstehen. Das Glänzende der imaginierten Spiegelungen, wie sie in den schrägen Flächen einer prismatischen Form auftreten, wird so farblich gebrochen und verschleiert.

 

Alexandra Centmayer erweist sich als starke Grenzgängerin zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, was bereits in ihren Wolkenbildern zu spüren war.

 

In der Verbindung der Motive mit dem Trägermaterial hat die Künstlerin eine kongeniale Einheit  geschaffen - kristallines und prismatisches Glänzen, Spiegeln und Schimmern sind in dem Aluminium dreifach aufgehoben: Die Aluminiumflächen tragen selbst das Licht mit seinen Brechungen in sich, nehmen das Aufscheinen von Lichtreflexen auf und scheinen den eigenen Glanz als Transparenz an die gemalten Objekte abzugeben, so dass sie deren kristalline Erscheinung steigern.

Form und Inhalt entsprechen sich auf ideale Weise und lassen aus diesem malerischen Gestaltungsprozess ein hochästhetisches Bildkonzept entstehen: materialgetragene Farbformkörper in der Schwebe eines schimmernden Umraums. 

 

Susanne Meier-Faust, M. A.                                             ©SMF2018

Ariane Faller Budasz,  2015

Schnittmengen, Kunsthaus L6

 

Alexandra Centmayer, deren Arbeitsfeld sich auf der linken Seite befindet, wenn wir den Ausstellungsraum betreten, konstatiert ihren Zeichnungen einen "tagebuchartigen Charakter". So arbeitet sie zumeist in Serien, in denen sie sich durch ein allmähliches Herantasten eingehend mit einem Thema auseinander setzt und es durch Wiederholung erschließt. Auch der hier entstandenen Wolkenzeichnung liegt ein ganzer Wolkenatlas zu Grunde. Entsprechend zum der "internationalen Vereinheitlichung von Symbolik und Methoden für die Beobachtung und Bezeichnung von Wolken" dienenden Atlas der Weltorganisation für Meteorologie überprüft auch Centmayer die Ansammlung von Wassertröpfchen, oder Eiskristallen, auf ihre Charakteristika; allerdings auf ihre bildnerischen.

Weiche, die Wolkenformen umschreibende Liniengebilde werden graphitverwischten Stratosphärenflächen entgegen gesetzt; leichte, zu schweben scheinende Helligkeiten kontrastieren mit schwerer, regengefüllter Dunkelheit, ursprünglich atmosphärische Lichtstrahlen werden in strenge, in den Raum strebende Diagonalen übersetzt.

"Überlagerungen, Durchdringung, Auflösen und Aufbäumen im ständigen Dialog mit anderen Zeichnungen und dem 'Klima' im Raum lassen die Großwetterlage wachsen", sagt Alexandra Centmayer.

Ihre Zeichnung über die vorhandene Fensterzeile - die etwaige Ausblicksmöglichkeit auf reale Wolkenphänomene - bis an die Decke und auf den Boden des Ausstellungsraums ausdehnend, lässt sie die architektonischen Begebenheiten nicht einfach koexistieren, sondern bezieht sie in ihre Formation mit ein.

Ariane Faller Budasz, Januar 2015

Susanne Meier-Faust,  2014

Alexandra Centmayer, Malerei 

„Überall und nirgendwo“

 

Die Malerin und Zeichnerin Alexandra Centmayer ist noch nicht lange in Freiburg. Ihr Weg führte sie von ihrem Geburtsort München zum Kunststudium nach Kassel (bei Dorothee von Windheim und Urs Lüthi), mit einem Erasmus-Stipendium nach Madrid und in die Meisterklasse von Leiko Ikemura an der Berliner Hochschule der Künste.

In Salzburg, wo sie mehrere Jahre lebte, erhielt sie einen Lehrauftrag für Kunst am Ausbildungszentrum der Caritas, den sie weiterhin innehat.

Die Künstlerin wurde inzwischen Mitglied der GEDOK Freiburg, wodurch unsere Wege sich kreuzten. So stellte Alexandra Centmayer bei der letztjährigen Debut-Ausstellung in der VHS-Galerie aus. Die Einladung der jetzigen noch laufenden Debut-Ausstellung habe ich mitgebracht und hier für Sie zum Mitnehmen ausgelegt.

Ich danke der Künstlerin für die Einladung, hier in ihr ausgestelltes Werk einzuführen.

 

Dieser Überblick zeigt Arbeiten aus früheren und aktuellen Werkphasen. Das große gelbe Querformat „Bäume“ aus dem Jahr 1996 ist ein gutes Beispiel für eine der Herangehensweisen der Künstlerin und für die Bildsprache einiger ihrer Arbeiten.

 

Aus der unmittelbaren Betrachtung realer Gegebenheiten in ihrer Umgebung entwickelt Alexandra Centmayer mit ausgewählten Farben und Formen eine konkrete Bildstruktur. Hier ist der Anlass des Malens die Sicht auf kahles Baumgeäst vor ihrem Fenster – aus dem Gemälde lassen sich auch noch spezifische Spuren dieser sichtbaren Wirklichkeit ablesen. Auf dem gelben Farbgrund ist das, was als Geäst benennbar ist, zum Teil noch als grauschattierte Farbbahn malerisch so behandelt, dass diese als der gerundete Stamm eines Baumes gesehen werden kann, andere Bäume sind nur geometrisch-abstrakte dunkle Linien. Noch stärker als reine Farb-Form-Strukturen sind die Arbeiten angelegt, die auf dem Katalog als grün-schwarze Varianten einer Serie abgebildet sind (Serie „Trees for Cage“, 2012 – schönes Wortspiel). In beiden Fällen haben wir es mit einem Ausschnitt aus einer abstrahiert wiedergegebenen Wirklichkeit zu tun. Die Bilder stellen uns auf die Nahsicht der Objekte in unserer Umgebung ein.

 

Die folgende vierteilige Werkgruppe mit mediterranen Motiven („Feige, Zypresse, Pinie, Olive“) ist 1994 entstanden.

Jedes der Formate führt einen Hauptfarbton an, auf dem die kennzeichnenden Pflanzenelemente sich innerhalb des Quadrats entfalten können – als Arabesken, Strukturen und Geflechte. Das Olivenmotiv zeigt sich als Vorläufer des ebenfalls gelbgrundigen Bildes „Bäume“: Die zunehmende Verknappung des Motivs im späteren größeren Format ist eindeutig. Außerdem ist das Motiv „Bäume“ auf einen Ausschnitt reduziert und wird dadurch ebenfalls abstrahierter wahrgenommen. Wir sehen keine Landschaft, sondern eine Art Gerüst, eine Struktur. So gewinnt dieses Bild eine eigene Realität als Kunstwerk, es muss nichts mehr abbilden.

 

Das gilt grundsätzlich, aber weniger streng auch für die beiden mittelgroßen Pflanzenbilder, die Sie weiter im Gang sehen können.

Das Bild „Palme“ von 2009 zeigt einen Palmenwedel in Untersicht – nur als Ausschnitt und doch ganz das Bild füllend – in Überschneidungen mit einem weiteren Palmwedelausschnitt.

Das ergibt optisch eine schöne radiale Gitterstruktur. Grüntöne beherrschen das Bild, das im Blick nach oben ganz luftig mit einem Hauch von Gelb und Blau daherkommt.

Das Pendant dazu ist das Bild „Schwertlilien“, ebenfalls von 2009, das für die Ausstellungsankündigungen ausgewählt wurde. Es führt unseren Blick hingegen nach unten in die Welt der schwertartigen Blätter und Stiele mit Andeutungen von gelbbraunen Blüten, die auch schon verblüht sein könnten. Das Bild hellt sich in der Mitte auf, die Acrylmalerei erscheint sehr dünnflüssig wie in einer Art von Aquarelltechnik. Es geht der Künstlerin nicht um die strenge, gar botanische Wiedergabe der Pflanzen, sondern auch hier haben wir einen Ausgangspunkt für Malerei, die im Malerischen ihre Bestimmung findet. Erkennbare Charakteristika der Pflanzenart Schwertlilie bleiben erhalten, aber ansonsten handelt es sich um ein Bild als ein Stück Malerei in Grün-, Gelb- und Brauntönen. Grün in solchen Variationen ist übrigens gar nicht so häufig in der auf Farbformen reduzierten Malerei zu finden.

Nach drei kleinen Farbabstraktionen hessischer Landschaften – ebenfalls von einem kräftigen Grün geprägt - begegnen wir dann den Wolkenbildern, die in dieser Ausstellung in ihrer vielgestaltigen Entwicklung seit 2013 zu sehen sind.

Sie sind aus dem Blick auf Vogelschwärme (2008) am Himmel entstanden, von denen drei Varianten auch hier im Weiteren hängen.

Der Himmel wurde zum eigentlichen Motiv in zahlreichen Skizzen und daraus erwuchsen viele Blätter mit Wolkenstudien und Aquarellen. Aus Himmelsbildern wurden Wolkenbilder.

Damit stellt sich Alexandra Centmayer in einen Zusammenhang mit Künstlern der Malereigeschichte, in der ab etwa 1800 ein

verstärktes Interesse am Motiv von Wolken aufkam. Ich nenne nur Künstler wie Constable oder Turner, die Impressionisten, wie van Gogh, Ferdinand Hodler, Emil Nolde, Magritte und Gerhard Richter - sie und viele andere haben die Wolke oder Wolken als besonderes oder sogar selbständiges Sujet ihrer Kunst erhoben.

Bei Alexandra Centmayer erscheint zunächst der Himmel mit Wolkenrand. Dann werden die Wolken bis zur einzelnen Wolke das alleinige Bildmotiv. Überwiegend sind diese Motive also herausgelöst aus dem Zusammenhang mit einem abbildenden landschaftlichen oder erzählenden Kontext.

Gerade im 19. Jahrhundert wurde das Wolkenmotiv begründet zum Gegenstand des künstlerischen Interesses, parallel zum sich vertiefenden Naturverständnis und der wachsenden naturwissenschaftlichen Erkenntnisse. Natur wurde neu gesehen als zu erforschendes Gegenüber, die Einheit von Natur und Mensch löste sich auf, die Trennung in Subjekt Mensch und Objekt Natur wies den weiteren Weg der Entwicklung – der Mensch machte sich die Natur untertan. Wir spüren inzwischen mehr und mehr, wohin das führt.

Von hier aus gesehen, bedeutet die Hinwendung der Malerin Alexandra Centmayer zum Wolkenmotiv mehr als nur einen Malanlass.

Die fünf kleinen Wolkendarstellungen variieren die Erscheinung einer Wolkenballung und zeugen von dem forschenden Interesse an den Formationen einer Wolke wie an dem Verhältnis der Wolke in ihren Weißtönen zu dem sie tragenden blauen Farbgrund. Die mit Schattierungen und Farbspielen auch ins Dunkle gemalten weißen Wolken vermitteln zugleich Stimmungen. So können die Wolkenbilder in ihrer jeweils spezifischen Form zu Trägern eines bestimmten Ausdrucks werden. Sie bilden eine Serie über das Phänomen Wolke, zur Ergründung der Wesensart von Wolken. Dabei stehen die körperhaft-plastischen Erscheinungen und die Farbvalenzen im Vordergrund - naturwissenschaftliche Aspekte sind unwichtig im Verhältnis zum künstlerisch-ästhetischen Ausdruckswert der Wolkenmotive. Diese hier in ihren kleinen Querformaten bewahren noch die Anmutung des Landschaftsbildes.

Anders sieht es in dem kleinen tiefblauen Hochformat aus, das einzeln hängt: Hier wird vom Landschaftsbezug abgesehen und eine figurative Anspielung in Gestalt der Wolke als körperhaft gerundetes Wesen ausgeführt.

 

In drei mittleren Formaten bindet die Künstlerin die Himmelssicht und Wolkenformationen wieder an die Umgebung, verortet sie also wieder in unserem Wirklichkeitsraum.

Das ist der eine Weg – das Reale wieder ins Bild zu bringen, die Welt als ein Oben und Unten zu schildern, sie mit dem äußeren Dasein des Menschen unmittelbar zu verbinden.

 

Völlig anders sieht es aus, wenn die Malerin die Wolke zu einem Wesen im Raum macht, die Wolke aus unserer Außenwelt zum Subjekt in einem Inneren deklariert: Die Wolke in einem/in ihrem Gehäuse. Die Wolke kann hier als eine Metapher psychischer Konstellationen verstanden werden.

Auch die Farbgebung entspricht nicht den intensiveren Farben der sonstigen Wolkenbilder, deutet hier in ihrer zarten Blässe eher auf eine introspektive Sicht, vielleicht aus einem Traum.

Kunst als Ausdrucksmedium kann so die motivische Umkehrung bewirken: Die Wolke als ein typisches Element unserer realen Außenwelt wird zum Träger von ebenso realen inneren Erfahrungswelten. Das Äußere wird symbolhaft zum Merkzeichen unseres Inneren. So kann das Motiv Wolke auch auf eine doppelte Transzendenz anspielen.

 

Die Arbeit an den Wolkenbildern und –serien bezeugt die aktuellen Interessen, die aber auch das Landschaftsthema weiterhin umfassen.

Hier im Gang zum Foyer zeigt uns Alexandra Centmayer noch einige ältere Landschaftsbilder, die alle 2009 entstanden sind und durch ihren Titel „Aigen“ auf den Entstehungsort Salzburg hinweisen. Sie sind mit Acryl auf Holz gemalt.

Die wiederum in kleinen Querformaten präsenten Sichten auf die nähere Umgebung der Künstlerin stellen sich als kompakte

Malerei dar. Der Blick aus dem Fenster geht sowohl in die Ferne auf die Berge und den Horizont als auch in Nahsicht auf die blühende Wiese. Jedes Bild hat seine eigene, oft in Teilen abstrakte Farbsetzung. Diese Serie erzählt farbenreich von Tag und Nacht, von den Jahreszeiten und Wetterstimmungen.

 

Abschließend wende ich mich dem großen Querformat im Foyer zu, in dem einiges Kennzeichnende der Malerei von Alexandra Centmayer zum Ausdruck kommt. Das Bild hat den Titel „Gaisberg“ und entstand ebenfalls noch in der Salzburger Zeit 2009 (Acryl auf Nessel).

Von einer klassischen Dreiteilung des Querformats ausgehend zeigt uns die Malerin einen grüngelb modellierten Vordergrund, den wir als leicht ansteigend nachvollziehen können. Links eingebettet liegt ein kleiner, lichtblauer See. Von der Mitte aus nach rechts zieht sich der dunkelgraublaue Streifen einer Vorbergszone, mit angedeuteten Waldungen. Dahinter erhebt sich dann im Mittelgrund das Hauptmotiv, der Gaisberg, mit einer ebenfalls dunkelgraublauen Flanke links und einem in lichteren Blautönen summarisch gegebenen Bergrücken. Eine Art Sattel ist mit weißem Farbauftrag markiert – wobei es sich um einen Reflex der hellen Wolkenzone am Himmel direkt darüber handeln kann. Jenseits der Berglinien ist der Bereich des lichtvollen Himmels locker und mit sanften Abstufungen von Blau zu Weiß und Gelb wiedergegeben.

Die Farbigkeit des Bildes mit den hellen Tönen im Vordergrund und den Andeutungen dunkler Waldzonen sowie dem freundlich hellen, aber kühlen Himmel deuten darauf hin, dass es sich um ein Frühlingsbild handelt.

Charakteristisch ist die bedeutende grüne Zone, die als leicht ansteigende Diagonale fast die Hälfte des Formats einnimmt.

Die blauen Bereiche von Berg und Himmel dominieren nur durch die Kompositionsform des Dreiecks, mit der der Berg im Bild beherrschend auftritt. Doch sitzt der Bergsattel nicht in der

Bildmitte, sondern ist aus der vertikalen Achse verschoben. Zudem lässt die im helleren Blau angedeutete Luftperspektive

den Berg in die Ferne rücken und durch den Einschluss von Weiß den Berg bereits mit dem Himmel korrespondieren. Der grüne Vordergrund mit den Aufhellungen bis zu deutlichem Gelb ist von kräftiger und nach vorne tretender Farbwirkung.

 

In dieser Konstellation der Farben und Kombination der Bildelemente liegt der besondere Reiz des Bildes.

Sowohl der Blick in die Ferne als auch der Blick auf einen nah erscheinenden Vordergrund sind ins Bild gesetzt. Zugespitzt formuliert wäre das die vereinheitlichende Verbindung der eigenen Selbstvergewisserung und der Aufnahme von Welt in das Eigene.

Außerdem kombiniert das Bild malerisch die Serien der Künstlerin in ihrem typischen Farbausdruck: das Grün der kleinen abstrahierenden Landschaften und das Blau der Himmels- und Wolkenbilder.

Als eines der bedeutenden Formate darf das Bild „Gaisberg“ als eine Schlüsselarbeit im bisherigen Werk von Alexandra Centmayer angesprochen und gedeutet werden. In ihm werden bildnerische Einzelaspekte zusammengefasst und im Resultat

zu einer gelungenen Einheit verbunden.

Ich wünsche der Künstlerin weiterhin viel Erfolg und der Ausstellung gute Resonanz!

Susanne Meier-Faust, M.A.                                          ©SMF2014

Karine Azoubib, 2012

Bilderworte

 

Zuerst schmunzle ich über das kleine Raubtier, das ich auf dem Papier sehe,

denn ich kann mir genau seine Kater-Bewegungen vorstellen.

Dann aber läuft mir ein Schauer über den Rücken,

denn die schwarze Katermasse vollzieht einen dreisten Dunkeltanz

und nistet sich ungefragt in die Schmerznische ein.

 

Es blitzt sinnliches Grün auf, Pflanzen und Früchte erscheinen,

Paradiese und Melancholien lassen sich erahnen.

Dann möchte ich mein Gefiederkleid anziehen, mit in den Süden fliegen

und nach diesen Eldorados suchen.

Alles erscheint sanft und intensiv zugleich, ohne sich aufzudrängen.